© Förderverein Römerschlacht am Harzhorn e.V.Zwar heißt der Ereignisort „Römerschlacht am Harzhorn“, aber ohne „Germanen“ hätte es diesen Kampf nicht gegeben. Der Wirkungsgrad, den das Wort „Römer“ immer noch erzeugt, ist einfach hoch anzusetzen, aber wird der beiderseitigen militärischen Aktion nicht ohne weiteres gerecht. Denn „die Römer“ wecken zwar das Interesse, aber das Identifikationspotential liegt östlich und nördlich von Rhein, Limes und Donau eher bei den Germanen.
Die Harzhorn-Guides haben in ihrer Öffentlichkeitsarbeit diese Erkenntnis zum Anlass genommen, die scheinbar bekannten Germanen in ihrer historischen Dimension nach neuesten Erkenntnissen zu erforschen. Dabei war die Historikerin Dr. Katharina Trittel, die für das Referat 3 für Demokratieförderung des Landkreises Northeim arbeitet, die erste Ansprechperson, da der politisch genutzte Raum des Begriffs „Germanen“ spätestens seit dem 19.Jh.nicht zu leugnen ist.
Wer sind eigentlich die „Germanen?“ In der Wissenschaft ist diese Bezeichnung seit der Entstehung der modernen Fachdisziplinen umstritten. Warum ist dies so? Auf Frau Trittels Initiative hin konnten nun für die Auftaktveranstaltung des Projekts am 24.09. drei Wissenschaftler*innen gewonnen werden, die in drei Impulsreferaten den Germanenmythos aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchten, um die Zuhörerschaft damit zu einer ersten Diskussion einzuladen.
Der Leiter der Bezirksarchäologie Braunschweig, Tobias Uhlig, M.A. greift das Thema mit dem Beginn der Archäologie in Niedersachsen auf. Archäologische Funde wurden zu allen Zeiten gemacht. Seit dem 16.Jh. machten sich die ersten Humanisten auch im Bereich der heutigen Bundesrepublik Gedanken, wie die zufällig gefundenen „Steinkeile“ und „Aschetöpfe“ als Geschichtsquellen über das Leben der Vorfahren gelesen werden könnten. Klar war für sie: Es muss sich hier um Germanen handeln. Diese unkritische ethnische Deutung gehört natürlich längst der Forschungsgeschichte an. Trotzdem steht die Archäologie als Wissenschaft der materiellen Hinterlassenschaften immer unter dem Druck, gerade der Öffentlichkeit gegenüber, die behandelten Epochen über Keramikstile und Bestattungsriten hinaus greifbar zu machen. Wie sieht also die Archäologie die Zeit der „Germanen“? Was kann sie beitragen, was nicht?
Vom Althistorischen Seminar der Uni Göttingen referiert Dr. Martin Lindner:
Die „Germanen“ sind längst nicht der einzige Sammelbegriff, den antike Autoren für die Menschen des Nordens verwendeten. Dennoch hat gerade diese Bezeichnung die althistorische Forschung seit Jahrhunderten besonders beschäftigt. Wie erklärt sich das Auftauchen und Verschwinden der „Germanen“ in den antiken Quellen? Welche Wirkungen entstehen durch vermeintlich neutrale Hilfsmittel wie Übersetzungen und Karten? Und welche Bedeutung hat der Begriff aus wissenschaftsgeschichtlicher und althistorischer Perspektive (bis) heute?
Vom Seminar für Deutsche Philologie spricht Prof. Dr. Heike Sahm.
Von den „Germanen“ wird Anfang des 19.Jahrhunderts das Fach „Germanistik“ abgeleitet, das sich der Kultur der „Germanen“ widmen und zentrale Beiträge zur Etablierung des Germanenmythos liefern sollte. Dass Überreste aus Antike und Mittelalter daher bis zum Nationalsozialismus vor allem ideologisch gedeutet wurden, hat die Forschung seit den 1970er Jahren vielfach nachgewiesen. Worin kann der Beitrag der heutigen Germanistik liegen, wenn es darum geht, die Akteure am Harzhorn zu charakterisieren?
Eine breite interessierte Öffentlichkeit ist eingeladen, diese Auftaktveranstaltung im Rosencafé zu besuchen. Auch den Laien soll damit die Möglichkeit gegeben werden ihr eigenes, individuelles Bild von den „Germanen“ zu schärfen.
Das auf Monate angelegte Projekt hat schon etliche Kooperationspartner gefunden wie beispielsweise das Roswitha-Gymnasium, das sich im Herbst mit einem Seminarfach zum Thema beteiligt. Die Kinderuni und das YLAB Göttingen sind mit ihrem Leiter Dr. Gilbert Heß involviert und ebenso die Neue IGS Göttingen. Die Bereitstellung von Modulen in verschiedenen pädagogischen Bereichen wird gemeinsam erarbeitet.
Eine Anmeldung zur Auftaktveranstaltung ist nicht erforderlich, wird aber sehr gern unter buchung@harzhorn.net entgegengenommen.